Training, nicht Alltagsbewegung nach WHO

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Höfer
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Re: Training, nicht Alltagsbewegung nach WHO

Habe die Ehre,

auf Wunsch eines Einzelnen kommt hier ein kurzer Rennbericht.


Arberland Ultra Trail 2026

Ich erzähle euch nichts Neues, wenn ich sage, dass mir die Landschaft und die Menschen des Bayerischen Waldes sehr ans Herz gewachsen sind.
Nach meiner Teilnahme an der Classic-Distanz über 66 km und 2.500 Höhenmeter im Jahr 2025 durfte ich dank meines Freitickets in diesem Jahr die 100-km-Distanz in Angriff nehmen.
Auch den UTLW im Nachbarort Lam am Fuße des Ossers habe ich bereits absolviert, ebenso den Speed Trail am Kaitersberg mit Start und Ziel in Bad Kötzting. Durch zahlreiche Urlaube kenne ich die Region mittlerweile recht gut.
Angereist sind wir bereits am Donnerstag: Oma, Mama, mein Bruder, meine Partnerin und ich.
Die letzten Tage vor dem Rennen bestanden ernährungstechnisch hauptsächlich aus Reis, Kartoffeln, Haribo und Red Bull. Da ich allerdings kein Freund von Verzicht bin, habe ich mir am Donnerstag beim Kroaten noch eine Grillplatte gegönnt. Den Kruskovac aufs Haus konnte ich natürlich auch nicht ablehnen. Möglicherweise habe ich sogar noch die Gläser übernommen, die andere stehen gelassen haben.
Am Freitag standen die Abholung der Startnummer und das Race Briefing auf dem Programm. Überraschungen gab es keine, Strecke und Organisation waren bekannt. Vorweggenommen: Der Veranstalter hat einen hervorragenden Job gemacht.
Die Nacht vor dem Rennen war kurz. Start war bereits um 05:00 Uhr und entsprechend überschaubar fiel die Schlafqualität aus. Man kennt das.
Nach einer Schüssel Frosties, reichlich Carbs, Red Bull und einem Zitronenweizen machte ich mich auf den Weg zum Hohenzollern-Stadion. Dort erhielt jeder Teilnehmer zusätzlich einen GPS-Tracker für das Live-Tracking. Eine sehr gute Lösung, wie ich fand.
Zur Strecke selbst halte ich mich kurz.
Der Start in der Dunkelheit war in Ordnung, auch wenn Nachtläufe nicht unbedingt zu meinen Lieblingsdisziplinen gehören. Als die Sonne schließlich hinter dem Arber aufging, war ich entsprechend erleichtert.
Die ersten 30 Kilometer verliefen problemlos. Danach wurde es zäher. Ein Blick auf die Uhr und die Erkenntnis, dass noch 70 Kilometer vor einem liegen, wirken nicht immer motivationsfördernd.
Besonders das Flachstück entlang des Großen Regens beschäftigt mich jedes Jahr wieder. Eigentlich ein wunderschöner Flowtrail. Gleichzeitig kam erneut der Gedanke auf, dass ich gerne noch mehr Laufkilometer in den Beinen hätte, um dort wirklich Druck machen zu können, statt die 5:30er-Pace als Anschlag zu empfinden. Im Vorjahr waren wir dort noch zu zweit unterwegs, diesmal hatte ich ausreichend Zeit allein mit meinen Gedanken.
Nach Bayerisch Kanada ging es über die Rißlochwasserfälle bei Bodenmais zurück Richtung Stadion. Dort wartete bereits mein Bruder und begleitete mich für einige Kilometer im nächsten Anstieg zum Arber. Anfangs musste er die Pace noch etwas ziehen lassen. Das sollte sich später allerdings ändern.
Als ich bei Kilometer 87 zum dritten Mal ins Stadion kam, war klar: Frisch sieht anders aus.
Eigentlich wollte mein Bruder nur kurz aus dem Stadion heraus mitlaufen. Direkt am Boden prangte das passende Motto: „Goschen polieren“. Wer Anton Palzer kennt, weiß Bescheid.
Aus dem kurzen Begleiten wurde schließlich die komplette letzte Runde. Das ist dort problemlos möglich, da die Wege nicht gesperrt sind. Wir bewegten uns inzwischen mit etwa 5:30 min/km. Zum Vergleich: Auf der 66-km-Distanz war ich auf denselben Abschnitten noch mit etwa 3:30 min/km unterwegs.
Dann kam der letzte Anstieg. Ein gefühlt endloser Forstweg mit etwa fünf Prozent Steigung. Nichts Dramatisches eigentlich, aber ich konnte einfach nicht mehr anlaufen und war nur noch am Hiken. Dort erreichte ich meinen Tiefpunkt. Kurz dachte ich sogar, der Kreislauf verabschiede sich, aber tatsächlich war alles noch im grünen Bereich.
In diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich alle Carbs aufgenommen, regelmäßig getrunken und eigentlich keinerlei ernsthafte Probleme hatte. Abgesehen von einem drückenden Zeh und völliger Erschöpfung funktionierte der Körper erstaunlich gut.
Irgendwann endet jeder Anstieg und so ging es in den letzten Downhill. Leider technisch anspruchsvoll. Das war stellenweise eher kontrolliertes Stolpern als Laufen.
Am Arbersee angekommen, geschah dann etwas, das mich schlagartig wieder aktivierte. Wie schon beim 66-km-Lauf lag die erste Frau unmittelbar hinter mir und grüßte freundlich mit einem „Servus“.
Nennt mich Macho oder Prolet, aber nichts hätte mich in diesem Moment mehr motivieren können.
Ich teilte meinem Bruder direkt mit, dass ich nicht vorhabe, mich auf den letzten Kilometern noch einsammeln zu lassen. Obwohl noch einige kurze Anstiege bevorstanden, konnte ich plötzlich wieder bergauf laufen. Wieder einmal der Beweis, dass vieles im Kopf entschieden wird.
Mein Bruder schlug vor, dass ich alleine weiterlaufen könne. Nach rund 15 Kilometern gemeinsamer Unterstützung kam das für mich allerdings nicht infrage. Also redete ich ihm gut zu und zog ihn mit.
Beim Blick über die Schulter sah ich schließlich, dass wir die Verfolgerin abgeschüttelt hatten. Also holten wir gemeinsam noch einmal Luft und machten auf den letzten, leicht abfallenden Kilometern Tempo. Angefeuert wurden wir dabei von unserer Mutter, die sich kurz vor dem Ziel an der Strecke positioniert hatte.
Im Ziel angekommen war ich einfach nur glücklich. Ich konnte alle meine Liebsten in die Arme schließen und diesen besonderen Tag gemeinsam mit ihnen genießen.
Ein besonderer Dank geht an meinen Bruder. Was er auf den letzten 15 Kilometern für mich geleistet hat, war alles andere als selbstverständlich. Auch wenn der kleine Sack anschließend meinte, er sei froh, endlich einmal schneller gewesen zu sein als ich.
Recht hatte er allerdings.


Anbei noch ein paar Impressionen rund um das Rennen.


Für Fragen stehe ich wie immer gerne zur Verfügung.

Servus
Andreas
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Re: Training, nicht Alltagsbewegung nach WHO

Schöner Bericht, danke dafür und herzlichen Glückwunsch zur Leistung :)
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Re: Training, nicht Alltagsbewegung nach WHO

Sehr geiler Familienurlaub, Andreas :D finde ich gut, dass du die Dame noch einmal auf ihren Platz verwiesen hast *jaja* ;) war sicher einige Stunden nebenbei am Tracker und hab jede Positionsverbesserung gefeiert.

Wie immer eine richtig geile Leistung! Bei den Bildern und der Beschreibung wäre ich auch gern 30 km mitgerannt. Frage ist, ob ich so lange dranbleiben kann :-)
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Re: Training, nicht Alltagsbewegung nach WHO

Habe die Ehre,

es ist surreal der Wettkampf ist keine Woche her und fühlt sich schon weit weg an.

Im gestrigen Krafttraining habe ich aber gemerkt, dass alles was hohe Leistungen erfordert wie zb kurze Sprints nicht gehen. Das Training selbst hat Spaß gemacht :)
Ich freue mich aktuell auf die Off- Season und werde mindestens im Oktober, so Sport machen wie ich Lust habe.

@Maxim gern geschehen. Vielen Dank :)

@Zotto Danke für das Mitfibern mein Freund. Irgendwo hat man das auch im Wettkampf im Hinterkopf und das pusht. Wir machen bald wieder ein Wettkampf zusammen.

Gruß
Andreas
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Re: Training, nicht Alltagsbewegung nach WHO

Höfer hat geschrieben: zum Beitrag navigieren24. Sep 2026, 20:27
Rhovan hat geschrieben: zum Beitrag navigieren21. Sep 2026, 10:53 Ja, Mega! Hoffe du hattest viel Spass. Soll ja echt eine Atemberaubende Gegend sein. Würde mich sehr über ein Rennbericht freuen.
Normal war keiner geplant, da du fragst, schreibe ich gern einen kurzen :)
Vielen lieben Dank für den tollen Bericht und natürlich für die tollen Bilder. *liebhabensmilie*

Das mit deinem Bruder erinnert mich an Hubert Karl, dessen Bruder ihn auch sehr häufig bei seinen Wettkämpfen oder bei seinem Route 66 Projekt unterstützt hat. Richtig Cool wie ihr beiden das zusammen durchzieht! :prosit:

Wie geil ist denn bitte dieser mentale Switch? Wenn der Körper eigentlich "Aus! nur noch ankommen..." sagt, dein Kopf bzw dein Köper aber plötzlich wieder Vollgas gibt, nur weil die Erstplatzierte von hinten grüßt. Ich finde das macht den Sport aus, die Erkenntnis, was mental alles noch geht, wenn man eigentlich denkt, es sei gar nichts mehr im Tank. Stark!

Respekt vor der Leistung und natürlich zum Finish bei diesem Brett von einem Lauf!

Servus :-)
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