Aufgrund beruflicher Gründe musste ich nach Riga reisen und hab anschließend einfach noch gute 2 Wochen Urlaub im Anschluss angehängt...alle Tage kommt man da ja nicht runter und wer weiß schon, ob oder wann es da zum Pulverfass wird.
Wie gehabt trieb es mich auch hier von einem Ort zum nächsten mit je 1-3 Übernachtungen pro Destination. Die Route, die ich grob abgeklappert habe findet ihr nachfolgend.
Riga
Die Hauptstadt Lettlands, ein wunderschöner Ort und ganz entspannt zu erkunden in einem Tag. Einige Parks zum entspannen und ausruhen, eine kleine, aber wunderschöne Altstadt zum anschauen, die Promenade ebenfalls in Reichweite zum lockeren entlang schlendern, viele Kneipen/Bars/Clubs für den abendlichen Spaß. Bei etwas mehr Zeit gibt es auch interessante Dinge wie das KGB-Museum (ein altes KGB-Gebäude, in dem früher politische Gegner und alle die dafür gehalten wurden, dort gefangen und zu einem "Geständnis" gefoltert wurden) mit einer Führung zu besichtigen.
Riga bietet einem alles, was man für einen entspannten Städtetrip so braucht. Gefiel mir sogar so gut, dass ich es mir sogar durchaus vorstellen könnte, hier temporär für eine gewisse Zeit zu leben.
Touristisch auch absolut nicht überlaufen (gut war auch Nebensaison, aber Hauptsaison soll wohl auch voll im Rahmen sein). Die Stadt (wie eigentlich komplett Lettland und später Estland) war absolut sauber, Müll auf dem Boden oder in irgendwelchen Ecke musste man echt mit der Lupe suchen. Verleitet einen auch selbst, eigenen Abfall so lange bei sich zu behalten, bis der nächste Mülleimer zu finden ist.
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Hatte noch nen Ausflug in den nahegelegenen Kurort Jūrmala unternommen. Hier leben laut nem lettischen Kollegen hauptsächlich wohlhabendere Russen. Dort zu finden sind ne lange Einkaufs-, Restaurant- und Caféstraße, diverse schöne Holzhäuser und Jugendstilvillen, ein langer Sandstrand sowie die ein oder andere Sehenswürdigkeit aus früheren Zeiten. Mit dem Zug entspannte 30 mins dort.
Cesis/Sigulda
Der nächste Halt war in Cesis. Ein kleiner aber feiner Ort mit einer Burgruine, die man anschauen kann sowie diversen Wandermöglichkeiten im nahegelegenen Nationalpark Gauja.
Cesis selbst ist schnell erkundet.
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Am nächsten Tag ging es daher nochmal zurück nach Sigulda, da von dort aus die Wanderung losgehen sollte. In Sigulda gibt es neben ner Rennrodelbahn (war zum Zeitpunkt meines Besuches leider geschlossen) auch ne Seilbahn, die einen über den Fluss juckelt. Von hier aus startete dann mein Marsch Richtung der Burg von Turaida.
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In nem kantinenartigen Restaurant mit russischer/osteuropäischer Küche hab ich mir dann komplett entkräftet und nach unendlichen Treppenstufen und Schritten nen ordentliches Buffet reingeballert
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Valmiera/Wolmar
In Valmiera/Wolmar blieb ich nur eine Nacht, Gott sei Dank, weil hier gab es absolut nichts spektakuläres. Richtig trostloser Ort mit kaum Unternehmungsmöglichkeiten. Immerhin gabs nen geilen Italiener fürs Abendessen und ne alte Bäckerei, die alles frisch selbst backte, fürs Frühstück.
Tartu
Weiter mit dem Zug ging es dann via der Grenzstadt Wałk und einem Umstieg weiter Richtung Tartu und damit dem ersten estnischen Stop.
Tartu ist die zweitgrößte Stadt Estlands und machte einen sehr "jungen" Eindruck aufgrund der Vielzahl an Studenten. Auch hier gibts Museen, Kirchen ne alte Burgruine und eine schöne Altstadt zu besichtigen. Für Freunde des Shoppings ist hier auch gut gesorgt, da es neben einem kleinen Outlet auch noch zwei weitere Einkaufszentren in der Fußgängerzone gibt. Preislich aber (mit Ausnahme der Outlet-Shops) deutsche Preise, teilw. sogar noch teurer trotz niedrigerem Gehaltsniveau. Kein Plan wie die Leute hier oder in Lettland eigentlich neue Klamotten bezahlen.
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Tallinn
Zweiter Stopp in Estland war dann auch direkt die Hauptstadt Tallinn mit seinen ~450.000 Einwohnern.
Ich hatte keine konkreten Erwartungen an Tallinn aber wurde doch krass positiv überrascht. Ne wirklich schöne und große Altstadt mit diversen Kirchen (orthodoxe wie christliche/evangelische), dahinter der modernere und neue Teil Tallins (ggf. erkennt man es auf dem einen Bild).
Es gibt hier wirklich eine große Auswahl an Einkaufsmöglichkeiten, verschiedenen Restaurants und Unternehmungen, die man tun kann. Theoretisch kann man per Fähre sogar nach Helsinki übersetzen.
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Aufjedenfall wird hier einem nicht langweilig, der Nationalpark Lahemaa (dort war ich leider nicht) wäre sogar in ca. ~1 Stunde zu erreichen, wenn man in die Natur ausweichen möchte. Etwas außerhalb ist auch der Fernsehturm, zu dem man hochkann. Mit 18€ zwar kein Schnapper, aber die Aussicht in alle Himmelsrichtungen ist es allemal wert.
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Tallinn ist echt ne Stadt, die jeder mal gesehen haben sollte, absolute Empfehlung!
Nach 3 Nächten ging es dann auch zur Abholung des Mietwagens im nahegelegenen Flughafen und weiter zur nächsten Destination Haapsalu.
Haapsalu
Haapsalu ist eine Kurstadt und liegt direkt an der Ostsee. Ein Tag reicht hier vollkommen aus, dennoch gibt es hier richtig viele alte Holzhäuser in gutem Zustand, das alte Kurhaus in schnörkeliger Holzbauweise steht direkt an der Promenade, die alte Bischofsburg bzw. deren Überreste liegt im Stadtkern. Hier macht es echt Spaß locker durch die Straßen zu latschen und sich die ganzen verschiedenen Häuser anzusehen.
Wenn genug Zeit über ist, kann man auch per Fähre auf die zwei nahegelegenen Inseln Saaremaa und Hiiumaa rüber, dafür war bei mir aber nicht genug zeit über.
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Pärnu
Pärnu ist ca 1 1/2h Autofahrt von Haapsalu entfernt und liegt im südlicheren Teil von Estland. Wie in ganz Estland gibt es neben tollen Holzhäusern auch nochmal nen kleinen Hausstrand und Parkanlagen. Von hier aus ging es für nen Tagesauflug in den Soomaa Nationalpark für ne Kanufahrt

Hier gibt es auch die Möglichkeit einer Moorwanderung, das Kanu mit einem erfahrenen Guide hatte aber hier aber eher mein Interesse geweckt. Über 4-5 Stunden sind wir auf verschiedensten Flüssen 16km entlang gepaddelt und erhielten viele Infos zur Natur, der Tier- und Pflanzenwelt und wie sich das hier alles so über die Jahrhunderte entwickelt hat. Weit und breit keine Menschenseele, nur die Klänge und Farben der Natur. War echt geil da, unser Guide konnte sogar Deutsch. Generell können im Baltikum viele Deutsch sprechen (zumindest gebrochen), da hier früher viele Deutschbalten lebten und Deutsch auch in der Schule gelehrt wird.
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Vergi
Der letzte Stopp war dann nochmal oben an der rauen Küste in Vergi. Viele Leute leben hier nicht, in den vereinzelten Dörfern stehen vielleicht 10-20 Häuser. Nur das nahegelegene Vosu scheint etwas größer zu sein und hat auch ne Schule & co.
Hier wurde eigentlich am Ankunftstag die umliegende Umgebung sowie der Strand in Vosu abgeklappert. Wenig spektakulär, aber sehr entspannend und wohltuend nach stressigen Tagen.
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Am zweiten Tag ging es nach zwei stündiger Autofahrt zur Grenzstadt Narwa, der östlichste Punkt Estlands. Narva ist die drittgrößte Stadt Estlands und das Zentrum der russischsprachigen Minderheit Estlands, zu der etwa 95 % der Einwohner Narvas gehören. Dementsprechend oft hört man hier russisch, liest kyrillische Zeichen, sieht besoffene Russen auf der Straße rumlungern etc.
Irgendwie war es ein komisches Gefühl in Narwa zu sein, so nah am "Feind" und der Gefahr in Reichweite allerlei tödlicher Waffensysteme zu sein. Estland und Russland trennen grade mal einen Fluß von vielleicht 30-40m Breite. die Brücke nach Russland ist bestens gesichert und auch nur zu Fuß zu passieren. Tatsächlich hätte ich hier mit mehr Militär gerechnet, aber davon war hier kaum was zu sehen.
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Narwa selbst war leider nicht wirklich schön. Viele (zumindest von der Außenfassade) heruntergekommene Blockbauten aus Beton wie man sie aus den Sowjetzeiten kennt und nicht wirklich viele Sehenswürdigkeiten. Gut gefallen hat mir hier lediglich eine orthodoxe Kirche, die von innen tatsächlich mal was hermachte nicht so wie die anderen, in denen ich war.
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Aufgrund des Lufthansa-Streiks, von dem ich natürlich auch betroffen war, durfte ich noch ein Tag länger in Tallinn bleiben, bei dem ich das örtliche Gym und Spa-Möglichkeiten des Hotels ausgiebig nutzte.

Morgen darf ich mich dann erstmal um die Kostenerstattung- und Entschädigungsformulare kümmern...
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Kurzes Fazit: das relativ einwohnerarme Baltikum sollte man als Urlaubsidee definitiv auf dem Zettel haben. Ende März/Anfang April ist es noch recht kühl mit einstelligen Graden, aber je näher der Mai kam, desto wärmer wurde es auch. Für jeden ist hier was geboten, sei es schöne Altstädte mit Sehenswürdigkeiten oder alte Holzhäuser in Kurorten, Shoppingbummel in diversen Einkaufszentren, Wanderrouten sowie sonstige aktive Unternehmungen in den örtlichen Nationalparks oder ne Kneipentour mit reichlich Alkohol.
Preisniveau ist ungefähr auf deutschem Standard (in den Orten, wo ich jetzt war), Estland/Lettland ist wirklich EXTREM sauber. Auch in den Zügen ist hier alles pikobello, pünktlich und zuverlässig (ÖPNV auch sehr billig im Vergleich zu DE), keiner schreit dir mit seinem Handy auf Lautsprecher mit 120 dB ins Ohr. Alles läuft gesittet und ordentlich ab, woran das liegt überlass ich einfach mal eurer Fantasie

Wer die Chance hat, da runter zu fliegen, sollte das definitiv tun - wer weiß wie lange das noch ohne weiteres möglich ist.