Hier ist eine chronologische und thematische Übersicht von Gebietseroberungen, territorialen Veränderungen und eskalierenden Konflikten seit dem Jahr 2000, die sich gut in das geopolitische Denkmodell von Tim Marshall („Die Macht der Geographie“) einordnen lassen – also Konflikte, die stark durch strategische Lage, Ressourcen oder geopolitische Interessen geprägt sind.
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1) Russland und die postsowjetische Peripherie
Einmarsch in die Ukraine & Annexion der Krim (2014 und 2022)
Russland annektierte die Krim von der Ukraine 2014; dieser Schritt wurde international weitgehend als illegal verurteilt.
2022 begann Russland eine groß angelegte Invasion in der Ukraine, mit dem Ziel, Kontrolle über weitere strategisch wichtige Gebiete im Osten und Süden zu gewinnen. Diese Aktion basiert u. a. auf geopolitischen Zielen: Zugriff auf das Schwarze Meer, Pufferzone gegen NATO-Einfluss und Sicherung von Verkehrsachsen.
Bezug zu Marshall: Russland will strategische Pufferzonen und Zugang zu kritischen Meeren, ähnlich wie historische Eroberungen von Küsten, Gebirgspässen oder Flussläufen betont werden.
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Abchasien & Südossetien (seit 2008) – de facto russische Kontrolle
Nach dem Krieg zwischen Georgien und Russland 2008 erkannte Moskau die Unabhängigkeit der Regionen Abchasien und Südossetien an und stationierte militärische Kräfte dort.
Diese Gebiete gehören völkerrechtlich zu Georgien, stehen aber faktisch unter russischem Einfluss bzw. Kontrolle.
Marshall-Bezug: Einflussnahme auf Pufferzonen, um geopolitisch wichtige Regionen zu kontrollieren (gebirgige Zugänge zum Kaukasus).
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2) Südlicher Kaukasus: Veränderung territorialer Kontrolle
Nagorno-Karabach – territoriale Neuordnung
In mehreren Kriegen seit den 1990er Jahren beanspruchte Armenien die überwiegend armenisch bewohnte Region Nagorno-Karabach, während Aserbaidschan sie als eigenes Staatsgebiet sieht.
In den Konflikten 2020 und vor allem 2023 konnte Aserbaidschan seine Kontrolle über weite Teile des Gebiets wiederherstellen und begann 2024 mit dem offiziellen Verwaltungs- und Sicherheitsaufbau vor Ort.
Marshall-Bezug: Die Region hat strategische Bedeutung als Transitkorridore zwischen Regionen und als Puffer zwischen einflussstarken Mächten (Russland, Türkei, Iran).
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3) Territoriale und maritime Streitpunkte in Asien
China und Taiwan / Südchinesisches Meer

Taiwan:
China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz und hat seine militärischen, wirtschaftlichen und politischen Druckmittel stark ausgeweitet. Das schließt regelmäßig Luft- und Seeaktivitäten rund um Taiwan ein. Russland betrachtet Taiwan als strategisch wichtig in seiner Pazifikstrategie. Dies ist derzeit kein offensiver Einmarsch, aber eine zunehmende territoriale Behauptung, die als Potenzial für zukünftige Eroberung gilt.

Südchinesisches Meer:
China beansprucht große Teile des Meeres, insbesondere um strategisch wichtige Routen (Seewege, Ressourcen) zu kontrollieren. Es baut künstliche Inseln und stationiert militärische Einrichtungen – etwa nahe den Spratly- und Paracel-Inseln. Dies führt zu regelmäßigen Konflikten mit den Philippinen und anderen ASEAN-Staaten.
Marshall-Bezug: Kontrolle über maritime Räume ist ein klassisches geopolitisches Ziel, um Seewege, Ressourcen und strategische Positionen zu sichern.
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4) Andere relevante territoriale Entwicklungen seit 2000
Südsudan (2011) – neue Staatlichkeit
Der Südsudan wurde 2011 unabhängig von Sudan, und damit veränderte sich die politische Karte Afrikas. Dies war zwar kein klassischer „Angriff“ oder Eroberung, aber eine bedeutende territorialpolitische Neuordnung im 21. Jh.
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5) Weitere eskalierende Konflikte mit territorialem Bezug
Diese sind potentiell kriegerisch bzw. geopolitisch relevant, auch wenn sie derzeit noch nicht zu einer klaren Eroberung geführt haben:

Eritrea–Äthiopien und Tigray-Region
Nach dem Eritrea-Äthiopien-Krieg (1998–2000) gab es lange Grenzkonflikte, die erst 2018 formal gelöst wurden. Spannungen blieben jedoch hoch und könnten wieder eskalieren, insbesondere im Zusammenhang mit internen Unruhen in der Tigray-Region.

Somaliland-Recognition (2025)
Der weitgehend autonome Staat Somaliland erhielt 2025 erste offizielle Anerkennung von Israel als unabhängiger Staat – ein bedeutender Schritt für eine territoriale Neubestimmung in Afrika.
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Zusammenfassung – Warum diese Beispiele zu Marshall passen
Tim Marshall argumentiert, dass die Geographie – also Lage, natürliche Grenzen, Zugang zu Meer, Ressourcen, strategisch wichtige Pässe und Verkehrswege – maßgeblich bestimmen kann, wie Staaten handeln und Konflikte entstehen.

Die hier genannten Konflikte und territorialen Veränderungen zeigen typische Muster:

Staaten wollen Pufferzonen oder Zugang zu strategischen Gewässern/Regionen (Russland, China).

Territoriale Kontrolle verändert sich oft dort, wo ethnische Konflikte, historische Ansprüche und geopolitische Rivalitäten zusammentreffen (Kaukasus, Südostasien).

Selbst ohne vollständige Eroberung können Staaten durch „Grey-Zone“-Taktiken versuchen, ihren Einfluss territorial auszudehnen – z. B. im Südchinesischen Meer.
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Wenn du möchtest, kann ich dir noch eine Karte oder Timeline dieser Konflikte zusammenstellen – z. B. chronologisch oder nach Regionen geordnet.