martin1986 hat geschrieben: zum Beitrag navigieren1. Jun 2026, 14:21
GoldenInside hat geschrieben: zum Beitrag navigieren1. Jun 2026, 10:42
H_B hat geschrieben: zum Beitrag navigieren1. Jun 2026, 10:36
Dieses Phänomen sieht man aber auch bei vielen jüngeren SPD Wählern (jünger im Sinne von weit unter 55). Wenn ich mir die SPD Instagram Seite mit samt Kommentaren angucke, glauben wirklich viele, dass wenn man weiterhin SPD wählt, sie bei der nächsten Koalition bzw Regierungsverantwortung alles viel viel besser machen wird.
Ich frag mich ehrlich immer, wer so einen Quatsch nach immerhin 24 Jahren SPD Regierungsbeteiligung seit 1998 noch ernsthaft glaubt. Richtig verlorene Seelen.
Eigentlich ganz einfach:
Hier sind doch viele eher rechte User der Meinung, dass die CDU sich von der SPD nach links ziehen lässt. Genau das gleiche Phänomen gibt es aber auch auf der linken Seite, wo man zu viele Kompromisse zugunsten der Union sieht und sich eine Regierung mit Grün und/oder Links wünscht. Zur Wahrheit der 24 Jahre Regierungsbeteiligung gehört ja auch, dass man sehr oft Junior-Partner der Union war.
Ist jetzt nicht als Provokation gemeint - aber mich beschäftigt wirklich die Frage, wie man derzeit als klar denkender Mensch noch bestimmte linke Positionen vertreten kann.
- Die Wirtschaft hat *nachweislich* riesige Probleme im Vergleich zu anderen europäischen Wirtschaften und wertvolle Industriearbeitsplätze verschwinden, *nachweislich* beruhend auf Standortnachteilen wie hohen Abgaben, Bürokratie, Energiepreisen, strategischer Unsicherheit. Was passiert in linken Köpfen, wenn hier noch mehr staatliche Beeinflussung und mehr Abgaben gefordert werden?
- Der Sozialstaat hat *nachweislich* ein Finanzierungsproblem. Wie kann man dann noch höhere Ausgaben fordern?
- Die Migrationspolitik hat *nachweislich* zu Überforderung in Bildungssystemen geführt, Kriminalität befördert und nur zu kleinen Teilen wirklich dem Arbeitsmarkt geholfen. Was denkt man sich, wenn man noch mehr davon fordert?
Ich kann nachvollziehen, dass man für bestimmte Probleme unterschiedliche Lösungen präferieren kann. Aber gerade o.g. Probleme nichtmal anzuerkennen, ist doch nicht mehr "links" oder "rechts" sondern schlicht Realitätsverweigerung und blinde Ideologie.
Wie wird das in der linken Bubble gesehen? Du kennst dich da ja scheinbar aus.
Z.B. das Problem mit der WIrtschaft... bestreitet man schlichtweg, dass es der Wirtschaft nicht gut geht? Oder behauptet man weiterhin, mehr staatliche Regulierung und noch höhere Abgaben würden helfen? Oder erklärt man die Wirtschaft für egal, weil man auch alles über schuldenfinanzierte Sozialleistungen regeln kann?
Erst mal bin ich nicht der Pressesprecher der Linken. Als weißer, heterosexueller Cis-Mann mit BWL-Studium und Aktien-Investments wäre das auch schwer zu vertreten
Was ich wahrnehme, ist nicht der Ruf nach mehr Regulierung und mehr Abgaben, sondern einer anderen Verteilung der Abgaben.
- Also bspw. eine Einführung von moderaten (!) Vermögenssteuern, wie es bis in die 90er unter einer deutlich konservativeren CDU noch normal war. Hier herrscht eher Unverständnis, wie dieses vormals normale Steuer-Modell (in vielen Ländern immer noch vertreten) mittlerweile komplett als "Kommunismus" geframed wurde, wenn wir doch gerade in Deutschland die perverse Situation haben, dass Vermögensaufbau unglaublich schwer, Vermögenserhalt aber sehr einfach ist. Wer was von seinen Vorfahren kriegt, wird protegiert, wer nichts kriegt, wird maximal bestraft. Ich sehe hier bspw. den Vorschlag von SPD und Grünen aus 2021 (Freibetrag 2 Mio pro Person, darüber 1%) als sinnvoll an, auch wenn man sich über Details immer streiten kann.
- Damit kommen wir auch zur noch viel perverseren Erbschaftssteuer, wo per Gesetz nur die Mittelschicht besteuert wird, da die Steuer - je nach Verwandtschaftsgrad - bei 20-400k losgeht, aber ab 26 Mio dann mit klugen Konstruktionen wieder auf Null runter geht. Ich denke da gibt es beim Wähler parteiübergreifend ein großes Unverständnis und den Wunsch nach einer grundlegenden, fairen Reform, aber im Spektrum rechts der Mitte - egal ob Union, AfD oder auch FDP - wird sowas nicht angefasst, da man natürlich die Interessen von sehr Reichen vertritt.
- Bzgl. Wirtschaft lese ich nichts dazu, dass die aktuelle Lage jemand beschönigt. Aber da kommt die Ursachenforschung wahrscheinlich zu anderen Ergebnissen: hohe Abgaben, weil der Staat es lieber von Arbeitnehmern als von Reichen nimmt; hohe Energiepreise, weil die CDU die Energiewende Dank Lobby-Einfluss torpediert (bei Solar waren wir führend, ist mittlerweile tot; Windräder sind hässlich, lieber mehr Braunkohlelöcher; Überlandtrassen von Nord nach Süd für günstige Windenergie wollen wir nicht weil hässlich); strategische Unsicherheit, weil Politiker wie Merkel oder Söder nur nach Umfragen regieren und dann Entscheidungen zu langfristigen Themen wie Atomausstieg, Verbrenneraus oder Klimaneutralität ständig verändern wollen. Mehr strategische Ausrichtung der Politik und geringere Sozialbeiträge sind wahrscheinlich die am häufigsten Punkte, um die Wirtschaft zu stärken.
- Migration wahrscheinlich der diverseste Part: von "No Borders, No Nations" über "wir müssen mehr Angebote für Integration schaffen" bis "alle raus, aber den Rest der AfD will ich nicht" ist alles vertreten. Grundsätzlich wird gerade das Thema Sicherheit mMn aber anders gesehen, da man je nach Bias natürlich anders auf große Gruppen bspw. südländischer Jugendlicher reagiert. Wenn man älter ist und vom Dorf kommt und zu viel TikTok schaut, wird man in der Großstadt wahrscheinlich "Angst" haben, wenn man jünger und mit Migranten zur Schule gegangen ist, eher nicht. Etwas überspitzt, aber erlebe ich so in meinem Umfeld.
Der finanzielle Aspekt ist ein anderer, da sehe ich selbst mittlerweile mehr Zustimmung zu "Bett, Seife und Essen" für Asylanten.
Sind jetzt mal meine Takes zwischen zwei Meetings unstrukturiert runtergeschrieben. Im Endeffekt also viel Unmut darüber, dass der Staat die schwache Wirtschaft und die maroden Sozialsysteme durch mehr Druck bei Arbeitern ankurbeln will und die wirtschaftlichen Verhältnisse von Gutverdienern und Bürgis immer enger zusammen rücken, während sehr Reiche - die keiner Arbeit nachgehen müssen - protegiert werden.