Aber die Ausgangsbasis ist anscheinend, dass er die Zölle anpassen will - also quasi „faire“ Zölle. Wenn das das Problem ist, warum machen wir das dann nicht? Wirklich ernst gemeinte Frage
Die Idee hinter reziproken Zöllen ist, dass ein Produkt eines Landes bei Lieferung in die USA mit ebenso hohen Aufschlägen belastet wird, wie ein gleiches US-Produkt bei Lieferung in dieses Land.
Ah, verstehe. Dann ist die relevante Frage wahrscheinlich eher: Was findet Trump fair? Die USA haben ein Handelsdefizit gegenüber Europa, was sich aber nicht aus Zöllen erklärt, sondern aus der Tatsache, dass die alles, was komplizierter als ein Kühlschrank ist, importieren. Das machen sie auch nicht, weil die EU in der Vergangenheit so verwegen clever verhandelt hat oder weil sie es unbedingt müssen, sondern weil es sich als lohnend herausgestellt hat (wie so ziemlich jede globalisierte Handelsbeziehung).
Trumps initialer Denkfehler liegt in der Annahme, dass die USA generell Nachteile davon haben, Dinge aus anderen Ländern zu importieren. Deswegen will er das mit Zöllen "wegzwingen" und MAGA usw. Er betrachtet ein komplexes System, ist der Meinung, es unterliege eigentlich simplen Mechanismen und entscheidet dann nach dieser Sichtweise. Ein Junge und ein Ameisenhaufen.
Wenn ich mich hier mal kurz einklinken darf: Das Größte Problem ist, dass Trump einige Dinge zusammenwirft, die nicht zusammen gehören, nämlich Steuern und Zölle. In seiner Berechnung von reziprok zählt er auf unserer Seite in vielen Fällen die Umsatzsteuer mit dazu, was natürlich Quatsch ist.
Gestern kamen dann noch so Sachen dazu, wie das Europa bestimmte Dinge aus den USA aus boshaftigkeit aus dem Markt fern hält. Als Beispiel hat er das Geflügel genannt. Auch das ist Quatsch, US-Geflügel erfüllt einfach die Lebensmittelstandards in der EU nicht (hauptsächlich wegen dem Einsatz von Chlor).
Wie unter anderem die »New York Times« berichtet, hat die Trump-Regierung ihre Zölle nun in zwei Schritten berechnet:
Das Handelsdefizit der USA mit dem jeweiligen Land wurde durch die Exporte des Landes in die USA geteilt.
Das Ergebnis dieser Rechnung wurde halbiert und ergab den Steuersatz.
Beobachter üben scharfe Kritik an diesem Vorgehen. Von »außergewöhnlichem Unsinn« sprach der US-Finanzjournalist und Buchautor James Surowiecki, der als Erster auf die Formel aufmerksam gemacht hatte.
Auch Claus Michelsen, Chefvolkswirt beim Verband Forschender Arzneimittelhersteller, spottete über die Berechnungen. Er wies darauf hin, welch absurden Ergebnisse es hätte, wenn andere Länder die Formel der US-Regierung anwendeten. Demnach könnte beispielsweise Gibraltar einen Satz von rund 75.000 Prozent erheben.
Und die Pressemeldungen aus dem weißen Haus lesen sich irgendwie zunehmend wie Verlautbarungen über die märchenhaften Erfolge des obersten Führers aus Pjöngjang
Die US-Regierung zeigt sich von derlei Kritik unbeeindruckt. Nach Bekanntgabe der Maßnahmen veröffentlichte das Weiße Haus am Mittwoch eine Pressemeldung mit der Überschrift: »Präsident Trumps mutige Handelsmaßnahmen sorgen für Lob«.
Certa hat geschrieben: zum Beitrag navigieren3. Apr 2025, 09:03
Zumal die USA ja aus einer stattlichen Inflation der letzten Jahre kommen und Trump ja eigentlich versprochen hatte die hohen Biden - Preise zu senken. Ich erinnere mich noch an den Termin mit dem Tisch voller Produkte, wo er die Teuerung dargestellt hatte und dagegen gewettert hat. Aber so ist das leider mit der Politik, das Geschwätz vor der Wahl interessiert halt niemanden mehr, sobald man gewonnen hat. Sieht Mal ja auch in Deutschland
Dazu muss man aber auch sagen das Trump ca. 3 Monate im Amt ist aktuell und die meisten Preise nicht direkt per Knopfdruck fallen, es ist teilweise ein langwierigerer Prozess.
Ich denke aber auch das die Leute zunehmend die Geduld verlieren werden wenn sich nicht merkbar etwas verbessert für die eigene Tasche.
Vermutlich hat er dafür nicht mehr all zu lange Zeit, 1-3 Monate schätze ich. Danach wird er nicht mehr nur Gegenwind von den Demokraten kriegen sondern auch von sehr vielen Republikanern, sind ja bisher nur vereinzelt welche dabei.
Karl Lagerfeld hat geschrieben:Wer die 100kg nicht 8 mal auf der Bank drückt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren
Wenn der so weiter macht, sind ausbleibende Verbesserungen für den eigenen Beutel das allerkleinste Problem. Die Preise werden stark steigen. Bin gespannt wie toll seine Wähler und vor allem deren Bankberater das dann finden, die weniger wohlhabende Hälfte der Amis ist ja jetzt schon komplett überschuldet.
Ich meine, wie soll das in der Realität funktionieren? Sollen die sich jetzt 2 Jahre lang wegen der steigenden Preise noch weiter überschulden, bis der geniale Plan greift, oder zahlt Trump persönlich die entstehende Lücke? Die Staatsschulden sollen ja runter, da wird es schwierig mit Subventionen.
Und wie genial kann ein Plan sein, der derselben Denkfabrik entspringt wie diese Zollberechnung?
Quasi Handelsdefizit / durch 2. Wenn das Defizit bei 10% liegt, wird 10% uebernommen. Dienstleistungen konnte ich nicht finden oder ob diese dabei sind.
Neugierig wie wohl die Stimmung zb bei Nike ist. 21mrd Umsatz in den Usa, 95% der Produkte stammen aus Asien zb Vietnam, Indonesien oder China. Vietnam hat 51% Duty Rate.
edit
Geht halt in die Richtung - Preise durch Duties hoch treiben, die Nachfrage mit Ueberschuldung am Leben halten und wenn der Tag X kommt - "China und/oder die Demokraten sind Schuld". Das koennte dann auch auf dem naechsten Wahlplakat stehen. Leiden tut am Ende die unterste "Schicht", jedenfalls in der Usa.
Interessant waere was die wirklich schlauen Leute im Raum sagten als diese Idee entwickelt wurde, es kann doch nicht sein das die alle den Mund gehalten haben.
Zuletzt geändert von cometome am 3. Apr 2025, 13:00, insgesamt 1-mal geändert.
Wie es die Heard- und McDonaldinseln auf Trumps Liste geschafft haben, bleibt rätselhaft. Offiziell gelten sie als Außengebiet Australiens, sind jedoch nur über eine zweiwöchige Schiffsreise ab Perth erreichbar. Die Inseln sind unbewohnt, der letzte bekannte menschliche Besuch liegt vermutlich fast zehn Jahre zurück. Dennoch sollen – ebenso wie für Australien – künftig Zölle in Höhe von zehn Prozent auf Waren von dort erhoben werden.
Wie es die Heard- und McDonaldinseln auf Trumps Liste geschafft haben, bleibt rätselhaft. Offiziell gelten sie als Außengebiet Australiens, sind jedoch nur über eine zweiwöchige Schiffsreise ab Perth erreichbar. Die Inseln sind unbewohnt, der letzte bekannte menschliche Besuch liegt vermutlich fast zehn Jahre zurück. Dennoch sollen – ebenso wie für Australien – künftig Zölle in Höhe von zehn Prozent auf Waren von dort erhoben werden.
Wie es die Heard- und McDonaldinseln auf Trumps Liste geschafft haben, bleibt rätselhaft. Offiziell gelten sie als Außengebiet Australiens, sind jedoch nur über eine zweiwöchige Schiffsreise ab Perth erreichbar. Die Inseln sind unbewohnt, der letzte bekannte menschliche Besuch liegt vermutlich fast zehn Jahre zurück. Dennoch sollen – ebenso wie für Australien – künftig Zölle in Höhe von zehn Prozent auf Waren von dort erhoben werden.
cometome hat geschrieben: zum Beitrag navigieren3. Apr 2025, 12:54
Quasi Handelsdefizit / durch 2. Wenn das Defizit bei 10% liegt, wird 10% uebernommen. Dienstleistungen konnte ich nicht finden oder ob diese dabei sind.
Neugierig wie wohl die Stimmung zb bei Nike ist. 21mrd Umsatz in den Usa, 95% der Produkte stammen aus Asien zb Vietnam, Indonesien oder China. Vietnam hat 51% Duty Rate.
edit
Geht halt in die Richtung - Preise durch Duties hoch treiben, die Nachfrage mit Ueberschuldung am Leben halten und wenn der Tag X kommt - "China und/oder die Demokraten sind Schuld". Das koennte dann auch auf dem naechsten Wahlplakat stehen. Leiden tut am Ende die unterste "Schicht", jedenfalls in der Usa.
Interessant waere was die wirklich schlauen Leute im Raum sagten als diese Idee entwickelt wurde, es kann doch nicht sein das die alle den Mund gehalten haben.
cometome hat geschrieben: zum Beitrag navigieren3. Apr 2025, 12:54
Interessant waere was die wirklich schlauen Leute im Raum sagten als diese Idee entwickelt wurde, es kann doch nicht sein das die alle den Mund gehalten haben.
Das wären übrigens die tatsächlichen Zolldifferenzen, wenn man wirklich reziproke Zölle haben wollen würde, müssten die USA Ihre Zölle auf deutsche Waren um 1,7 Prozent erhöhen. Ich denke damit hätte man dann auch weniger ein Problem.
Mal abgesehen davon widerspricht das sämtlichen Regeln der WTO, reguläre Zölle sind immer Produktbezogen und nicht Länderbezogen.