Abraxas hat geschrieben: zum Beitrag navigieren3. Mai 2026, 22:51
Erinnerungspolitik:
Ist doch eigentlich recht einleuchtend. Wir haben es hier mit einer negativen Erzählung zu tun. Das schlimmste Menschheitsverbrechen der Geschichte begangen und daher nimmt man eine Sonderrolle ein, ist der normalen Geschichte enthoben. Man hat aber aus der Geschichte gelernt. Man trägt keine Schuld, aber Verantwortung (was letztlich auf das gleiche herauskommt). Aus der absoluten Negation des Menschlichen kommend, fühlt man sich verpflichtet, sich humanitär besonders hervorzutun. Sei es bei der Klimarettung, wo man früher als alle anderen klimaneutral werden muss, bei großzügigen Geschenken in alle Welt (Steinmeier ist quasi auf dauerhafter Welttournee um Abbitte zu leisten) oder der Flüchtlingsaufnahme. 2015 wurde vom Zentralrat der Juden getitelt, dass ein Volk, das so viel Schrecken über die Menschheit gebracht hat, es sich nicht leisten könne, Flüchtlinge abzulehnen. Man sei moralisch verpflichtet. Viele Deutsche freuten sich damals der Welt endlich zeigen zu können, dass Deutschland "auch ein anderes Gesicht" hat.
Dieser negativen Identität entspringt auch der Wunsch das Nationale zu transzendieren und in einer Weltgesellschaft aufzugehen. Man flüchtet sich in Ersatzkonstrukte, weswegen man auch der größte EU-Befürworter ist (ich bin Europäer, ich bin Mensch und nicht Deutscher).
Man hat daher außerdem Probleme dabei Grenzen zu setzen, Leistung einzufordern ("man selektiert keine Menschen nach Leistung/ Nützlichkeit, das hatten wir schon einmal in der Geschichte") und schätzt das Eigene gering, woraus mangelnde Identifiktionsmöglichkeiten für Zuwanderer folgen.
Einmal die Woche steht ein neuer Gedenktag an der begangen wird und zwischenzeitlich arbeitet man auf akribischste Weise kritisch auf oder befragt Zeitzeugen, die moralische Appelle an die Gesamtgesellschaft senden.
Von den antiaufklärerischen Romantikern über Nietzsches Übermenschen hin zu Preußens Militarismus. Kritiker ziehen hier eine klare Linie - ein historisch widerlegtes Volk.
Es geht nicht darum Dinge in Abrede zu stellen, sondern darum, ob das ein produktiver und gesunder Umgang mit sich selbst ist.
Volle Zustimmung zur Analyse des deutschen Wegs der Erinnerung.
Allerdings muss man Deutschland zu Gute halten, dass es hier wenig Beispiele gibt, wie man es besser macht. Schauen wir nach Spanien, Japan, in die Türkei, etc. herrscht hier eher Verdrängung vor.
Ich finde, ein Land, welches das ganz gut hinkriegt, ist Südafrika - weil sie auch ein neues, positives Narrativ haben. Das fehlt Deutschland meiner Meinung nach. Es gibt eine Schuldanerkennung, es gibt eine institutionalisierte Erinnerung (beides richtig und wichtig) aber der dritte Schritt müsste sein, hieraus eine neue, positive Geschichte/Identität zu machen. Das schafft Deutschland noch nicht allzu gut nach meinem Empfinden, es wird allenthalben moralisch überkompensiert, man hat ein verkrampftes Verhältnis zum Patriotismus, man will die Welt retten, etc.
Abraxas hat geschrieben: zum Beitrag navigieren3. Mai 2026, 22:51"Völkisch":
Andere Europäer kriegt man mit dem Kolonialismus, aber die deutsche Erinnerungskultur ist natürlich ein weitaus schwereres Pfund, was man ja auch merkt.
Die große Meta-Erzählung ist doch letztlich die, dass der Weiße sich durch Raub, Unrecht und Ausbeutung in seine jetzige Position gebracht hat. Mit eigener Leistung und genialen Erfindungen habe das alles nichts zu tun, denn schließlich sind ja alle Menschen gleich. Folglich sei es nur rechtens, wenn die Geschundenen der Welt sich nun holen, was ihnen zusteht.
Araber und Afrikaner selbst untereinander haben sich nie gegenseitig verkauft und versklavt und es gab auch kein zivilisierendes/ fortschrittliches Moment durch den europäischen Kolonialismus.
Dies wird im Kunst-, Kultur- und Wissenschaftsbetrieb und in der Zivilgesellschaft so kolportiert. Es gilt schon als höchst kritisch zu sagen: es ist ok weiß zu sein.
Es gibt gegenwärtig insgesamt nur noch weniger Weiße auf der Welt als es allein Inder gibt. Nun kann man überlegen welcher Beitrag der Welt fehlen würde, wenn es keine Inder geben würde und was der Welt fehlen würde, wenn es keine Europäer geben würde. Buchdruck, Dampfmaschine, Auto, Flugzeug, Internet, Atomenergie etc.
Es geht mehr um das Bewusstsein dieses Prozesses und das Bewusstsein um das Eigene und einen realistischen Blick auf die Welt. Die europäischstämmigen Menschen sind im Begriff in ihren eigenen Heimatländern verdrängt zu werden.
Auch in den USA, die du sicherlich als besseres Beispiel anführen würdest, hat sich dieser Prozess in Windeseile vollzogen, so dass die Reps als implizite Vertretung der Europäischstämmigen schon qua Bevölkerungszusammensetzung bald keine eigene Mehrheit mehr erringen können sofern sie sich nicht Hispanics etc öffnen, was bereits geschehen ist.
Das ist ein weiterer Nachteil inhomogener Gesellschaften: die ethnische Wahl. Man wählt die Partei, die die eigenen ethnokulturellen, tribalistischen Interessen vertritt.
Die Europäischstämmigen verlieren ihr Land. Nun kann man mit den Indianern kommen, aber genau das ist doch der simple Kernpunkt des Ganzen. Wer sich nicht behauptet, verschwindet aus der Natur. Viele Progressivisten würden nun sagen, dass dies das beste ist was der Menschheit passieren kann und das die Welt dann heilen könne. Für Andere wiederum würde die Vorstellung, dass es keine europäischstämmigen Menschen mehr geben würde bedeuten, dass es dann auf der Welt nur noch Sodom und Gomorra geben würde.
Die Europäischstämmigen sind hier in einem spirituellen Dilemma gefangen. Progressivisten sind ja der Auffassung, man könne die gesamte "Belegschaft" eines Landes peu a peu einfach austauschen, ohne dass das einen Unterschied machen würde. Wenn die Buren Südafrika in Gänze verließen, würde also alles genau so weiterlaufen, ebenso wenn es keine Weißen mehr in den USA geben würde etc. Diese Auffassung teile ich nicht. Und auch Zuwanderer halten sich am liebsten in der Nähe von Europäischstämmigen auf, ziehen diesen nach und genießen das funktionierende Environment (das sie in ihren Ländern nicht erschaffen konnten) obwohl sie sie gleichzeitig verachten. Eine paradoxe Beziehung. In den USA gibt es ganze neu entstandene Städte in denen man unter sich bleiben wollte und lieber eine Stunde zur Arbeit fährt und nun wird moniert, dass man sich abschotte. Auch in Ländern wie Brasilien bilden die Gegenden mit Europäischstämmigen regelmäßig die Leuchttürme während es in anderen Gegenden ganz schön übel ausschaut.
Mit dem Rückgang des Anteils der Europäischstämmigen hast du natürlich recht, aber wir sollten hier nicht vergessen, dass das auch ein biologisch-mathematisches Problem ist: Wer weniger als im Schnitt 2,1 Kinder pro Frau bekommt, schrumpft. Du weißt selbst, wie weit wir davon entfernt sind.
Dies in Verbindung mit Wohlstandsgefälle, Krisenherden und wirtschaftlichen Bedarfen nach Arbeitskraft macht Migrationsbewegungen letztlich zu etwas normalem (hat es übrigens in der Geschichte der Menschheit auch immer gegeben).
Letztlich gilt es, diesen Migrationsdrang sinnvoll zu steuern - und hierfür müssten wir uns einmal ehrlich über die Ziele machen und diese konsequent umsetzen. Aber, und da wäre wir wieder beim ersten Punkt der Erinnerungskultur, eine derart offene Debatte war bei uns niemals möglich.
Letztlich gibt es einfach klare Argumente pro und contra Migration die in einem gesellschaftlichen Aushandelungsprozess hätten diskutiert werden müssen:
z.B. Pro - wirtschaftliche Interessen, Humanität, Ausgleich demographischer Entwicklungen
z.B. Contra - Gefahr der Überfremdung und von Parallelgesellschaften, Gefahr missbräuchlicher Nutzung und Zerstörung der sozialen Sicherungssysteme
Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals eine unverkrampfte Diskussion hierüber stattgefunden hätte noch dass die Politik wirklich die Interessen der Bürger ernst genommen hätte. Stattdessen hat man sich von einer medial geschwungen Moralkeule (wieder Bezug zum Erinnerungskult) leiten lassen.
So weit, so gut. Bisher sehe ich aber nicht, warum es hier irgendwelcher völkischer Bestrebungen a la Höcke bedürfe. Im Gegenteil, das führt doch zu einem noch verkrampfteren Umgang mit der Erinnerungskultur: die einen wollen sie komplett loswerden, die anderen sehen sie in allem sofort in Gefahr. So kommt man zu keiner Weiterentwicklung.
Abraxas hat geschrieben: zum Beitrag navigieren3. Mai 2026, 22:51Kitt:
Klar gibt es das. Der Kitt nennt sich gemeinsame Kultur und Herkunft, eine Schicksalsgemeinschaft. So hat man sich gemeinsam aus den Ruinen nach dem 2. WK wieder herausgezogen. Wenn es heutzutage brenzlig wird zerfällt die Gesellschaft in ihre Einzelteile. Die Zuwanderer, die nur Nutznießer waren, ziehen weiter, wenn es hier nichts mehr zu holen gibt. Andere Zuwanderer nutzen das Hintertürchen, das sie sich offen gelassen haben, und ziehen vielleicht wieder in die alte Heimat, die sich zwischenzeitlich (gern auch mit EU-Geldern) gut weiterentwickelt hat wie zB Polen.
Im schlechtesten Fall muss man, wie bei der Naturkatastrophe in Spanien, noch fürchten, ausgeplündert zu werden (in diesem Falle fast ausschließlich von Maghrebinern).
Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Wer ist assimiliert und wessen Loyalität gilt ausschließlich und in erster Linie Deutschland.
Es geht um eine realistische Einschätzung des Eigenen, der eigenen Lage und des Fremden. Wer meint es gut mit uns und wer möchte das althergebrachte Deutschland erhalten und wer nur absahnen und seine eigene Interessen durchdrücken? Hier kommt die liberale Demokratie, wie erwähnt, einfach an ihre Grenzen, wenn ein syrischer Machthaber verlautbaren lässt, dass seine Leute in Deutschland, ähnlich wie bei Erdogan, fünfte Kolonne sind und als Verfügungsmasse zur Durchsetzung von Interessen dienen, die man jederzeit aktivieren könne. Viele haben doch aber einen deutschen Pass, wie kann das sein?
Und gehört zB ein in Deutschland lebender türkischstämmiger Mensch mit deutschem Pass, der nur muslimische Freunde hat, zu Hause türkisch spricht, beim FC Türkgücü ethnisch organisiert Fußball spielt, zu Hause türkisches Fernsehen guckt, zum türkischstämmigen Arzt geht, gern mehr sichtbaren Islam in DE hätte, Rassismus in DE beklagt und ein Banner mit einem abgebildeten osmanischen Krieger im Social Media Account hat wirklich zu meinem Wir? Zieht er am selben Strang wie ich?
Auch davon ist viel richtig, aber: Es ist ein Irrglaube, dass gesellschaftlicher Zusammenhang so eng mit der Herkunft zusammenhängt.
Wir denken das, weil wir hier vor Ort erleben, dass bestimmte ethnische Gruppen überwiegend zu den gleichen, unterschichtsnahen Milieus gehören. Das ist Folge unserer Migrationspolitik: Wer daheim den größten Druck hat (häufig nicht die Leute, die eine gute Bildung in ihrem Heimatland genossen haben), um die beschwerliche Reise auf sich zu nehmen und dazu physisch die besten Voraussetzungen (männlich, jung) wird von unserem System "belohnt".
Natürlich gibt es eine gewisse Fremdheit zwischen christlich-abendländischer und muslimischer Kultur. Aber machen wir uns nichts vor: Hätten wir die gleiche Anzahl junger, schlecht ausgebildeter und der UNterschicht angehörender Männer aus den USA oder Großbritannien - oder von mir aus selbst aus Österreich (wenn's da so viele gäbe...) - zu uns geholt, gäbe es auch bestimmte Probleme.
Was ich damit sagen will: Wir müssen klar definieren, wer wir sind, was wir sind, wohin wir wollen - und davon ableiten, wer zu uns passt. Aber eben nicht entlang von Volkszugehörigkeiten, Ethnien, etc. sondern auf Grund von Werten und Verhaltensweisen.
Würde man bspw. definieren und durchsetzen(!), dass obligatorische Migrationskriterien Bildung/ein gesuchter Abschluss, Anerkennung demokratisch-freiheitlicher Prinzipien, Anerkennung der Vormacht staatlicher Gesetze vor religiösen Regeln, hohe Vertrautheit mit deutscher Sprache sowie grundlegende Kenntnisse Kultur und Tradition sind, würde man 98%-99% unserer derzeitigen Probleme mit Migration schon vorab verhindern, ohne irgendwelche völkischen oder ethnischen Kategorien ins Spiel zu bringen.
Und genau hier schadet eine völkische AfD (Koalitionsdebatte mal ausgeklammert) der Debatte: Es ist schlichtweg falsch zu suggerieren, wir bräuchten völkische Narrative oder ethnische Kriterien bei der Bewertung von Migration. Aber: Es ist primitiv und einfach. Jeder Ronny mit 3 Promille versteht noch, wenn wir sagen: "Unsere Problem lösen sich, wenn diese oder jene Ethnie (wichtig für Ronny: optisch erkennbar) wegbleibt und wir wieder Deutsche pur sind."
Wenn man jetzt aber erklären würde, wir brauchen ein Selbstverständnis, eine Zielsetzung, klare, differenzierte Kriterien für die Bewertung von Migration und wahrscheinlich relativ komplexe Mechanismen, um diese dann zu kontrollieren und zu steuern - dann ist ROnnys Aufmerksamkeit weg.
Abraxas hat geschrieben: zum Beitrag navigieren3. Mai 2026, 22:51Du redest von Finance-Experten aber für die sind wir doch unattraktiv. Eine Gesellschaft der Hochzivilisierten aus aller Welt ist sicherlich recht angenehm (aber auch diese Halten, im Gegensatz zu deutschen "Intellektuellen" gern ein Stück weit an ihrer alten eigenen Identität fest!), aber wir holen kenianische Busfahrer, Fleischerlehrlinge aus Bangladesh (weil der Boomer-Chef mit Mindestlohn keine Angestellten findet, die zusätzlich ihre Rechte nicht kennen) und unsere Schulen und Straßen sind voll von Menschen aus MENAPT-Staaten..
Du hattest doch im letzten Absatz explizit von Abschottung gesprochen.
Ja klar, das erlebt man ja immer mehr: Die Migranten, die wir bräuchten, haben gar keine Lust mehr auf Deutschland. a) Viele andere Migranten die stören. b) Rassischte und völkische Narrative in Teilen der Gesellschaft, ausgelöst durch a).
Daher: Ziele und Werte, Kriterien, Durchsetzung - s.o.