Interessant.Carter T R hat geschrieben: zum Beitrag navigieren6. Jan 2026, 17:55Oh ... dann hast du mich missverstanden! Ich wollte gar nicht debattieren, sondern nur erklären, an welcher Stelle die beiden Aussagen treffen, die von den Studien, die sie heranziehen, in keinster Weise gestützt werden - und ich kann es fachlich belegen. Ich treffe damit keine Aussage über ihre Qualität als Coaches, da können sie genial sein! Es kann aber genauso gut sein, dass sie genau das nicht sind und du nur ein paar talentierte Sportler kennst, bei denen es eigentlich egal ist, wie sie trainieren und trotzdem gute Erfolge erzielen. Die von dir erwähnten Einzelfälle sind ja eben das: nur anekdotische Einzelfälle.Höfer hat geschrieben: zum Beitrag navigieren6. Jan 2026, 16:21 Ich schätze den Podcast und die Kompetenz der beiden, ich kenne persönlich einige Athleten, welche von Ihnen trainiert wurden und Erfolg hatten. Auch ich habe vieles übernommen und bin damit gut gefahren.
Ich kann es fachlich weder belegen noch nachvollziehen, bin ein Mann der Tat und auch nicht an einer Debatte interessiert.
Ich stehe aber hinter meiner Empfehlung und Aussage![]()
Da du die Kompetenz der beiden herausstellst und die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen damit stärkst, fasse ich einfach mal zusammen, was in dem Podcast alles falsch dargestellt wird:
Der Titel des Podcasts lautet ja sinngemäß "Was ist besser: Polarisiert oder Pyramidial?" und kommt auf die eindeutige Antwort, dass polarisiert besser ist. Die Studie, die als Beleg dafür herangezogen wird, ist Stöggl & Sperlich 2014: Polarized training has greater impact on key endurance variables than threshold, high intensity, or high volume training - ein mMn lesenwertes (und free access) Paper.
Das Problem an der Sache ist, dass keine der Testgruppen in der Studie Pyramidal trainiert hat, sondern nur die 4 im Titel angegeben Trainingsintensitätsverteilungen (Polarisiert, Threshold, HIIT und High Volume-Low Intensity) untersucht wurden.
Polarisiert hat zwar besser abgeschnitten als die 3 anderen untersuchten, aber man kann davon einfach keine Aussage über Pyramidal vs. Polarisiert ableiten (ob man es problematisch findet, dass das Trainingsvolumina der Testgruppen extrem unterschiedlich waren - Polarisiert 104 h/week, Threshold 84 h/week, HIIT 64h/w, High Volume 102 h/week - überlasse ich jedem selbst, aber "volume equated" sollte beim Thema Studien in einem Lifter-Forum schon mal gefallen sein).
Bei dem Leistungsstand der Probanden (VO2peak 62ml/min/kg +/-, 10-20h Training pro Woche) ist das Ergebnis mMn auch nicht überraschend, aber eine pyramidale Testgruppe hätte nach der Lage der (restlichen) Literatur vermutlich ein sehr ähnliches Ergebnis erzielt - was ja auch exakt das Ergebnis der ebenfalls zitierten Treff-Studie war (Treff et al. 2017: Eleven-Week Preparation Involving Polarized Intensity Distribution Is Not Superior to Pyramidal Distribution in National Elite Rowers), was die beiden aber mit "Ah, das ist ja kein Radsport und die Verteilung der Trainingsintensitäten war nicht unterschiedlich genug, die Ruderer haben nicht genug High Intensity gemacht etc." abtun (nur um den letzten Punkt kurz klarzustellen, Lukas hat offenbar nur auf die % geschaut, nicht auf die absolute Trainingszeit, die gemäß der Leistungsstufe "Elite" vs. "nur kompetitiv" vor allem in Zone 1 variiert, aber nicht unbedingt in Zone 3: in Stöggl & Sperlich waren es im Schnitt 69min Zone 3 pro Woche bei der polarisierten Gruppe, bei den Ruderern 59min ...).
Wenn man sich die Zahlen in dem Paper anschaut, dann haben zwar beide Gruppen sehr viel in Zone 1 trainiert - aber das ist typisch sowohl für polarisiertes wie auch pyramidales Training (nicht aber für Threshold Training wie im Stöggl & Sperlich Paper!). Die pyramidale Gruppe hat aber 5x so viel Zeit in Zone 2 (in Seilers 3-Zonenmodell) verbracht wie die polarisierte Gruppe (die diese Zone meiden sollte), währen die polarisierte Gruppe 3x so viel Zeit in Zone 3 (wieder Seilers 3-Zonenmodell) verbracht hat wie die pyramidale. Die allgemeingültigen Definitionen für polarisiert und pyramidal wurden also für das Leistungsniveau (in dem man eben viel, hier 90%, Zone 1 macht) sinnvoll umgesetzt.
Lukas scheint bei dem Stichwort "Threshold" einfach sofort (fälschlicherweise!) an eine pyramidale Trainingsintensitätsverteilung zu denkek, das wird deutlich, wenn er sowohl das Double Threshold Training der Norweger wie auch die Threshold-Testgruppe aus dem Stöggl & Sperlich Paper dem pyramidalen Training zuordnet. Das ist schlicht falsch und hat nichts miteinander zu tun (man kann Double Threshold Training sowohl in pyramidalem, polarisiertem und threshold Training realisieren - das Vorhandensein eines solchen Trainings definiert bzgl. der Trainingsintensitätsverteilung innerhalb dieser Grenzen erstmal noch gar nichts, High Volume Low INtenstiy und HIIT wird aber tendenziell eher ausgeschlossen).
Ich war sogar überrascht davon, wie wenig Verständnis sie von dem Verhältnis von relativer zu absoluter VO2max (im Vergleich von Radfahrern zu Ruderern) haben. Der Zusammenhang sollte Leuten, die Sportwissenschaft studiert haben, eigentlich klar sein (die elite Ruderer im Treff-Paper haben "nur" eine rel. VO2max von 66, während die "nur" kompetitiven Ausdauersportler - Läufer, Radfahrer, Triathleten, Biathleten - eine rel. VO2max von 63 haben. Da ging es dann um "Wie, die sind mit 66 schon Elite?" ... Ja, denn sie wiegen im Schnitt 17kg mehr - 76 vs. 93 kg Körpergewicht. Ein 93kg schwerer Ruderer mit einer rel. VO2max von 66 hat eine absolute VO2max von 6,1 Litern, würde er nur 76kg wiegen, hätte er eine relative VO2max von 80! Aber ja, vermutlich würde seine absolute VO2max bei der Abnahme auch sinken, das will ich gar nicht ausschließen. Es geht mir darum, dass die beiden das wissen oder verstehen sollten, Leistungsdiagnostik machen sie ja regelmäßig - auch am Kunden. Aber schon die Aussage, dass die Zahlen bei den Polarisiert vs. Pyramidal trainierenden Ruderern nicht unterschiedlich genug waren - siehe oben -, ist ja schon ein Hinweis auf ihr Verhältnis zu Zahlen ... für mich macht es definitiv einen Unterschied, ob meine HR pro Woche insgesamt nur 18 oder doch 60min in Zone 3 liegt).
Lukas dreht und wendet Argumente auch offenbar gerne immer so, wie es ihm gerade in seine Argumentation passt. Einerseits kommt er immer wieder auf Blockperiodisierung als Ansatz und wie einfach, effektiv und toll das doch im Alltag zu integrieren ist, an einer Stelle kritisiert er aber auch Bent Ronnestad für seinen Ansatz und bezieht sich an der Stelle - für den Kenner der entsprechenden Literatur - auf Ronnestads bekannte 12-week-Studie ... die aber genau das umgesetzt hat, was er an anderer Stelle in der Blockperiodisierung lobt. Wenn es ihm also in die Argumentation passt, ist es toll, und wenn nicht, dann nicht ...?
Blockperiodisierung ist im Übrigen genauso leicht mit einer Polarisierten wie mit einer Pyramidalen Trainingsintensitätsverteilung zu realisieren (mit HIIT, Threshold oder High Volume Low Intensity hingegen eher weniger).
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Ist doch eher länger geworden ... habe den relevantesten Teil mal fett markiert.
Weiß zwar nicht, wie man bei den Elite-Ruderern auf 93 kg kommt, aber irgendeiner wird das schon auch wiegen. Die Top-Leute, besonders im Einer und Achter, wiegen sehr oft über 100 kg. Beispiele: der aktuelle Olympiasieger Oliver Zeidler, aber auch absolute Ikonen wie Sir Steve Redgrave, Sjoerd Hamburger und Pertti Karppinen.