traurige Entwicklung, aber überraschend kommt es nicht; erinnert mich an dieses Interview, wo eine Kurdin berichtet, dass sie in der Türkei nie Kopftuch tragen musste - bis sie als Flüchtling nach DE kam und danach aufgrund des gesellschaftlichen Drucks gezwungen wurde eins zu tragen.
Als wir 1973 nach Deutschland kamen, änderte sich alles. Plötzlich wurde ich gezwungen, ein Kopftuch zu tragen – nicht nur von der Familie, sondern massiv aus der Community heraus. In unserer Stadt war die Milli-Görüs-Bewegung sehr aktiv, eine konservativ-islamische Gruppierung, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Dort hieß es mit aller Härte: Du bedeckst deine Haare. Für uns Mädchen gab es keinen Raum für Selbstbestimmung. Die Kontrolle war überall – auf der Straße, in der Schule, in der eigenen Familie.
Bläser: Es ist ein ganzes System. Aber wenn Sie mich konkret fragen: Für mich sind die meisten konservativen Imame Täter. Sie setzen Eltern unter Druck, ihre Töchter früh zu verloben oder zu verheiraten, sobald sie als ‚Frau‘ gelten – und sie sorgen dafür, dass die Mädchen streng traditionell erzogen werden. Das Kopftuch gehört leider dazu.
Statt zu prüfen, wurde fast alles unter ‚Religionsfreiheit‘ eingeordnet. Das Ergebnis ist, dass Moscheegemeinden in vielen Stadtteilen enorme Macht haben – über Familien, über Kinder, über ganze Bildungskarrieren.
Ihr heutiger Eindruck:
Bläser: In den vergangenen Jahren deutlich häufiger. In Grundschulen sehe ich in einer Klasse mit 25 Kindern inzwischen oft vier oder fünf Mädchen mit Kopftuch. In manchen Regionen – etwa in Teilen von Duisburg oder Berlin – ist es noch mehr. Neulich war ich auf einem Spielplatz: sieben, acht Kinder im Grundschulalter, und fast alle Mädchen trugen Kopftuch – einige hatten sogar das Gesicht teilweise bedeckt.