Putins Strategie
Putin sprach am 1. Oktober 2026 beim Waldai-Forum 3:20 Stunden lang in einer Rede und in einem moderierten Gespräch auf der Bühne. Aus seinen ausschweifenden Formulierungen lassen sich fünf zentrale Punkte seiner Strategie herauslesen:
1. Angriff ist Verteidigung
Putins zentrale Meta-Strategie und sein oberstes Ziel ist die Umdeutung jeder russischer Aggression in defensive Notwendigkeit. Putin behauptet, Russland reagiere lediglich auf westliche Angriffe oder Provokationen.
Diese Erzählung ist das Fundament seiner gesamten Politik:
· Putin rechtfertigt den Angriffskrieg gegen die Ukraine als Verteidigung gegen den aggressiven Westen.
· Putin stimmt die russische Bevölkerung auf eine dauerhafte Konfrontation ein.
· Putin stellt jede russische Eskalation in der Vergangenheit und in der Zukunft als „Antwort“ dar, nie als russische Initiative.
Damit schafft Putin einen ideologischen Rahmen, der seine geopolitischen Ziele verdeckt und moralisch absichert.
2. Kein europäisches Russland, sondern ein russisches Europa
Putin strebt eine europäische Sicherheitsordnung an, in der Russland ein Vetorecht über alle Entscheidungen zur Sicherheit Europas besitzt.
Putin beschreibt den Westen als illegitim und regelbrechend. Hinter dieser Rhetorik stehen strategische Ziele:
· Die NATO schwächen, insbesondere die Ostflanke.
· Die EU politisch spalten und wirtschaftlich destabilisieren.
· Mittelosteuropa wieder in eine russische Einflusszone ziehen.
· Russland in Europa als überlegene Macht etablieren.
Putins Forderung nach „weniger westlicher Dominanz“ ist kein Ruf nach einer fairen Balance. Es ist der Versuch, eine neue russische Dominanz aufzubauen, nachdem Moskau seine Vormachtstellung nach 1991 verloren hat.
3. Die Ukraine ist Russland
Putins Ziele in der Ukraine sind sehr weitgehend. Hinter der Forderung nach „Neutralität“ verbirgt sich der Dreiklang aus: keine NATO, keine EU, keine westliche Orientierung.
Putin will dauerhafte territoriale Kontrolle über große Teile der Ukraine, auch über bisher nicht eroberte Gebiete. Putin will vollständige politische Kontrolle über eine Ukraine, die nicht souverän im eigenen Interesse handeln kann, sondern bei jeder Entscheidung die russischen Interessen vorzieht.
Putins Aussage, die Ukraine könne „nicht existieren“ und werde „von außen kontrolliert“, ist eine klassische rhetorische Figur, um die Ukraine zu delegitimieren. Das soll die Grundlage für eine dauerhafte russische Einflussnahme schaffen.
4. Beihilfe zur Selbstabschreckung (alles für Kaliningrad)
Putin versucht, die russische Bereitschaft zur Eskalation bis hin zu Atomwaffen als bedauerlicherweise notwendige Verteidigung darzustellen. Damit verfolgt er einen militärstrategischen Zweck. Putin weiß, dass eine NATO-Verteidigung des Baltikums gegen einen russischen Angriff zwingend die Ausschaltung der Luftverteidigung, Raketenstellungen und militärischen Infrastruktur im hochgerüsteten Kaliningrad erfordern würde.
Die russische Exklave Kaliningrad ist der am stärksten militarisierte Raum Europas, vollgestopft mit Luftabwehr, Raketen, elektronischer Kampfführung. Eine NATO-Verteidigung des Baltikums und des Ostseeraums würde Kaliningrad massiv treffen müssen.
Deshalb versucht Putin rhetorisch:
· die Logik der Verteidigung der NATO als „Aggression“ umzudeuten,
· die politische Bereitschaft Europas zur Verteidigung der Nordostflanke zu schwächen,
· die Verteidigung des Baltikums als „Eskalation“ darzustellen,
· die Schwelle für westliche Gegenmaßnahmen gegen russische Aggressionen im Baltikum und im Ostseeraum zu erhöhen.
Putins Drohungen und sein vages Herumwedeln mit Atomwaffen sollen die NATO davon abhalten, ihre eigene Verteidigungsstrategie konsequent umzusetzen, weil wichtige NATO-Mitgliedsstaaten in Selbstabschreckung verfallen.
5. Wirtschaft als Waffe
Putin präsentiert die russische Wirtschaft als „stabil“ und „resilient“. Erkennbar ist Wirtschaftspolitik ist für Putin kein Instrument zur Verbesserung der Lebensqualität der russischen Bevölkerung, sondern ein geopolitisches Werkzeug.
Putin spricht nicht über menschliche Verluste, soziale Kosten und wirtschaftliche Schäden seines Krieges. Verarmung, demografische Krise und Abwanderung von Fachkräften kommen bei ihm nicht vor.
Für Putin ist die russische Wirtschaft ein Druckmittel gegen Europa, eine Kriegsressource und ein Mittel zum Aufrechterhalten seines Regimes.
Putin spricht über Wirtschaft als Machtressource des russischen Staates, nicht als Lebensgrundlage russischer Menschen.
*
In aller Kürze: Putin will, dass Russland eine europäische Ordnung dominiert, in der die Ukraine dauerhaft unterworfen ist und in der Moskau Einflusszonen kontrolliert. Die russische Aggressivität bis hin zu Angriffskriegen wird dabei als Verteidigung dargestellt.
Ukraine Konflikt
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Re: Ukraine Konflikt
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Leoric
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Re: Ukraine Konflikt
Was für eine Farce.
Ich bin immer wieder enttäuscht, dass im Zeitalter der Aufklärung eine solche Handhabung so stabil praktiziert werden kann.
Ich bin immer wieder enttäuscht, dass im Zeitalter der Aufklärung eine solche Handhabung so stabil praktiziert werden kann.
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Re: Ukraine Konflikt
Leider haben wir uns mit dem Internet und social media rückentwickelt im Westen. Und die Primaten in den Entwicklungsländern kennen ja nur GewaltLeoric hat geschrieben: zum Beitrag navigieren6. Okt 2026, 22:29 Was für eine Farce.
Ich bin immer wieder enttäuscht, dass im Zeitalter der Aufklärung eine solche Handhabung so stabil praktiziert werden kann.
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Masseschrei
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Re: Ukraine Konflikt
Seht ihr das ähnlich? Ich denke wenn Deutschland wegfällt und die USA nicht wieder teilweise einspringt (weil z.B. jetzt im Herbst die Wahlen etwas stark verändern oder wir schon in den nächsten Präsidentschaftswahlen sind), dann mache ich mir da ernsthafte Sorgen, bei einem Russland das die nächsten Jahre keine anderen Ziele mehr hat außer seinen Einfluss auf Europa wieder zu vergrößern.
https://www.kielinstitut.de/media/news/ ... -steps-up/ /
https://www.kielinstitut.de/research/to ... t-tracker/
Zuletzt geändert von Masseschrei am 8. Okt 2026, 20:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Ukraine Konflikt
natürlich. die ukraine kämpft noch und gut, weil sie vom westen unterstützt wird. fällt das weg, fällt auch die ukraine.
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Re: Ukraine Konflikt
Und dann kommen noch mehr Flüchtlinge aus der Ukraine nach Deutschland. Egal wie, wir werden bezahlen
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Re: Ukraine Konflikt
Vlt könnte man das Argument nutzen um der AfD die Naivität bzgl Russlands auszutreiben.Certa hat geschrieben: zum Beitrag navigieren8. Okt 2026, 20:05 Und dann kommen noch mehr Flüchtlinge aus der Ukraine nach Deutschland. Egal wie, wir werden bezahlen
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Re: Ukraine Konflikt
Ich weiß nicht, ob Naivität das richtige Wort ist. Ich würde Sponsoring sagenARRG hat geschrieben: zum Beitrag navigieren8. Okt 2026, 20:07Vlt könnte man das Argument nutzen um der AfD die Naivität bzgl Russlands auszutreiben.Certa hat geschrieben: zum Beitrag navigieren8. Okt 2026, 20:05 Und dann kommen noch mehr Flüchtlinge aus der Ukraine nach Deutschland. Egal wie, wir werden bezahlen
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Re: Ukraine Konflikt
Beim Russen : Oh der böse Russe will seinen Einfluss in Europa vergrößern.Masseschrei hat geschrieben: zum Beitrag navigieren8. Okt 2026, 18:54 [..]
Seht ihr das ähnlich? Ich denke wenn Deutschland wegfällt und die USA nicht wieder teilweise einspringt (weil z.B. jetzt im Herbst die Wahlen etwas stark verändern oder wir schon in den nächsten Präsidentschaftswahlen sind), dann mache ich mir da ernsthafte Sorgen, bei einem Russland das die nächsten Jahre keine anderen Ziele mehr hat außer seinen Einfluss auf Europa wieder zu vergrößern.
[..]
alle so :

Wenn der Amerikaner seinen Einfluss vergrößert oder ausspielt alle so:

aber das sind ja "unsere Freunde und Verbündeten"
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Masseschrei
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Re: Ukraine Konflikt
Verstehe ich jetzt nicht ganz. Gerne etwas mwhr Erläuterung für den Vergleich
!
Hat die USA Europa angegriffen?
Die USA wird doch laufend kritisiert innerhalb der USA, von Verbündeten, neutralen Staaten und einige liefern den "Gegnern" der USA auch Waffen...
Weil die USA Iran angreift ist es jetzt okay, das Russland die Ukraine erobern will?
Sollen wir uns dann auch irgendwannvnicht mehr verteidigen? Weil die USA ist ja eh stärker als alle anderen Länder?
Hat die USA Europa angegriffen?
Die USA wird doch laufend kritisiert innerhalb der USA, von Verbündeten, neutralen Staaten und einige liefern den "Gegnern" der USA auch Waffen...
Weil die USA Iran angreift ist es jetzt okay, das Russland die Ukraine erobern will?
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Re: Ukraine Konflikt
Ich denke man muss sich klar darüber sein, dass Europa, bzw die EU, ein Bündnis aus Vasallenstaaten ist. Für uns stellt sich da eigentlich nur die Frage wessen Vasall man sein möchte. Ich würde die USA jederzeit Russland oder China vorziehen.
Ein Staat kann nur dann souverän sein, wenn er über ein üppiges Kernwaffenarsenal und die Nukleare Trifecta verfügt.
Denn machen wir uns nichts vor, die drei Supermächte sind Imperien und verhalten sich auch so. Das war nie anders und wird sich auch nie ändern. Man fährt den militärischen Imperealismus nur runter, wenn die geopolitischen Ziele auch anders (diplomatisch/wirtschaftlich) erreicht werden können.
Frei nach dem Motto "und bist du nicht willig gebrauche ich Gewalt."
Ein Staat kann nur dann souverän sein, wenn er über ein üppiges Kernwaffenarsenal und die Nukleare Trifecta verfügt.
Denn machen wir uns nichts vor, die drei Supermächte sind Imperien und verhalten sich auch so. Das war nie anders und wird sich auch nie ändern. Man fährt den militärischen Imperealismus nur runter, wenn die geopolitischen Ziele auch anders (diplomatisch/wirtschaftlich) erreicht werden können.
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- Eric
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Re: Ukraine Konflikt
Beim Thema Ukraine stelle ich mir nur leider die Frage nach dem Warum. Die Ukraine wird den Donbass nicht zurückerhalten und die Krim erst recht nicht. Genau so wenig wird Russland weiterhin großflächig Gelände erobern. Leider wird die Bevölkerung nicht gefragt und der Krieg fordert weiterhin tausende von Opfern, weil zwei Sturköpfe auf ihren Standpunkten beharren. Und ja ich weiß, dass die Ukraine moralisch und völkerrechtlich im Recht ist und Russland hier der Aggressor ist.
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Re: Ukraine Konflikt
Das wird wohl erst enden, wenn einer der beiden zum Aufgeben gezwungen oder komplett bezwungen wird.Eric hat geschrieben: zum Beitrag navigieren9. Okt 2026, 09:26 Beim Thema Ukraine stelle ich mir nur leider die Frage nach dem Warum. Die Ukraine wird den Donbass nicht zurückerhalten und die Krim erst recht nicht. Genau so wenig wird Russland weiterhin großflächig Gelände erobern. Leider wird die Bevölkerung nicht gefragt und der Krieg fordert weiterhin tausende von Opfern, weil zwei Sturköpfe auf ihren Standpunkten beharren. Und ja ich weiß, dass die Ukraine moralisch und völkerrechtlich im Recht ist und Russland hier der Aggressor ist.
Aus ukrainischer Sicht ist Aufgeben unter keinen Umständen eine Option. Die Ukraine müsste schon vollkommen bezwungen werden. Russland könnte da flexibler sein. Bspw wenn Putin stirbt. Aber auch nur, wenn ein besonnener Nachfolger die Macht übernimmt, was vermutlich eher unwahrscheinlich ist. Wobei da viel politisches Potenzial läge. Putin als fehlgeleiteten Narren darzstellen und der russischen Bevölkerung eine Wende und wirtschaftlichen Aufschwung durch Frieden zu versprechen bspw.
Aber da frage ich mich, ob die russische Bevölkerung das wirklich wollen würde. Entbehrung und Aufopferung, das Ertragen von Leid für Mütterchen Russland, ist ja ein wesentlicher Teil der russischen Volksidentität. Dieses Land hat seit weit über 100 Jahren keine Freiheit gesehen und wird bereits ebenso lange ideologisch indoktriniert.
Man kann wohl nur hoffen, dass die russischen Familien genug Väter und Söhne verloren haben und irgendwann die Schnauze voll vom Leiden haben. Denn wofür das alles eigentlich?
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Re: Ukraine Konflikt
Ich sehe das wie gesagt aus der Sicht der Bevölkerung. Lebe ich lieber mit meiner Familie unter russischer Flagge und dafür relativ friedlich und gesund oder verbringe ich den Winter lieber in einer zerbombten Wohnung ohne Arbeit, Heizung und Essen und muss eventuell noch den Tod meiner Kinder oder meines Partners betrauern. Ist aber auch ein schwieriges Thema.
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Re: Ukraine Konflikt
Relativ friedlich ist halt auch...relativ.Eric hat geschrieben: zum Beitrag navigieren9. Okt 2026, 10:02 Ich sehe das wie gesagt aus der Sicht der Bevölkerung. Lebe ich lieber mit meiner Familie unter russischer Flagge und dafür relativ friedlich und gesund oder verbringe ich den Winter lieber in einer zerbombten Wohnung ohne Arbeit, Heizung und Essen und muss eventuell noch den Tod meiner Kinder oder meines Partners betrauern. Ist aber auch ein schwieriges Thema.
Es sterben ja auch genug Russen in diesem sinnlosen Krieg, noch viel mehr werden jetzt als irgendwie als Invaliden weiterleben müssen und wohl nicht alle haben sich dafür freiwillig gemeldet.