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Im Ukraine-Krieg fallen die Hemmungen beim Einsatz von Maschinen als Waffe. Russlands neue KI-Drohnen erkennen Ziele autonom und greifen ohne menschliche Steuerung an. Damit geraten auch westliche Hersteller und Armeen unter Zugzwang.
In ukrainischen Telegram-Gruppen und auf Nachrichtenseiten wird bereits seit einigen Wochen ein beunruhigendes Phänomen beschrieben, das zu den Videos der russischen Propaganda-Kanäle passt. Die russischen Geran-Langstreckendrohnen, die bislang relativ ungenau ihre Ziele ansteuern und Fernsteuerung durch menschliche Piloten benötigen, seien plötzlich zielgenauer geworden. Insbesondere die relativ neue, jetgetriebene Geran-4-Variante sei inzwischen mit einer unbarmherzigen Künstlichen Intelligenz ausgestattet.
Der ukrainische Analyst und Drohnentechnik-Experte Serhii Beskrestnov – genannt „Flash“ – beschreibt die neue Variante der Geran-Drohne ausführlich anhand von Trümmerfunden auf seinem Telegram-Kanal. „Flash“ nennt die neue Variante „Geran Seeker“ (Sucher) und zeigt anhand von Trümmern, dass neuerdings eine günstige chinesische Kamera vom Typ Dahua eingebaut ist, die mit mehreren Objektiven ein möglichst breites Blickfeld einfängt und auch im Infrarotspektrum sehen kann.
Ausgewertet werden die Bilder von einem einfachen KI-Bilderkennungsalgorithmus, der auf einem Raspberry Pi-4b Taschencomputer der britischen Firma Raspberry Pi läuft. Dieses Gerät wird weltweit vertrieben und ist deswegen einfach zu beschaffen. Der Vorteil des Mini-Computers aus dem Westen: Für seine Hardware haben Open-Source-Programmierer über Jahre bereits viele Bilderkennungsalgorithmen programmiert, die die russischen Drohnenbauer nur für sich anpassen müssen.
Auf ukrainischer Seite ist der Trend ebenfalls sichtbar. Das ukrainische Verteidigungsministerium meldete Anfang Juni, insbesondere die Abfangdrohnen gegen die Geran- und Shahed-Flieger kämen inzwischen ohne menschliche Piloten aus, 95 Prozent des gesamten Abfangzyklus gegen Shahed-Drohnen seien automatisiert. Der Mensch gebe nur noch den Befehl zum Start, den Rest übernehme die KI.
Hier also treten erstmals Roboter gegen Roboter, Künstliche Intelligenz gegen Künstliche Intelligenz im Krieg an. Der Mensch wird aus der direkten Verantwortung genommen – er reagiert schlicht zu langsam. Der ukrainische Drohnenforscher Danylo Tsvok sagte der Nachrichtenagentur AP, ab jetzt komme es darauf an, wessen KI schneller zur Entscheidung für oder gegen einen Angriff komme. Die Ukraine müsse „schneller als der Gegner bei der Entscheidungsfindung“ werden. Die Zukunft gehöre autonomen Systemen, und KI könne die „Kill Chain“, also den Weg von der Aufklärung bis zum Angriff und der Zerstörung eines Ziels, weitgehend automatisieren.
Genau das meine ich doch - auch die Russen entwickeln sich weiter, weshalb es so wichtig ist, jetzt die Zeit zu erkennen und aufs richtige Pferd zu setzen.
Noch halten westliche Hersteller unter dem Druck politischer Entscheider formell am Grundsatz fest, dass ein Mensch die Entscheidung über Leben und Tod trifft. Militärisch könnte dieser Grundsatz jedoch unter Druck geraten, wenn ein Gegner die gesamte Angriffskette der KI überlässt und damit schneller reagiert. Die Ukraine ist bereits heute das Labor, in dem sich entscheidet, wie lange diese rote Linie noch Bestand hat.
Aber wir sind ja noch damit beschäftigt, den Digitalfunk einzuführen.