Viele Jahrzehnte haben CDU und SPD in der Bundesrepublik aber das demokratische Spektrum von links bis rechts relativ umfassend abgedeckt, so dass diese Struktur grundsätzlich lange funktioniert hat.Linksanwalt hat geschrieben: zum Beitrag navigieren14. Mai 2026, 22:20Und diese Rechtfertigung bzw. die Lüge der "freien" Berichterstattungen sind aber ein gewaltiger Trugschluss, martin. Das Sagen über den ÖRR hat der Rundfunkrat, der nicht demokratisch vom Volk gewählt wird sondern welcher sich aus Personen zusammensetzt, die von diversen Institutionen entsandt werden. Zu den entsendenden Organisationen gehören politische Parteien (Landtage), Kirchen, Gewerkschaften, Wirtschaftsverbände sowie Bildungs- und Kultureinrichtungen.martin1986 hat geschrieben: zum Beitrag navigieren14. Mai 2026, 22:07Das ist aber eine der zentralen Rechtfertigungen für die Finanzierung des ÖRR durch die GEZ - eben Berichterstattungen zu ermöglichen, die etwas freier sind von Faktoren wie Auflage und Einschaltquote.clayz hat geschrieben: zum Beitrag navigieren14. Mai 2026, 21:23 Ich liebe auch dieses ganze "man sollte Dinge. klar kennzeichen/einordnen usw."
Beim besten Willen. Alle Zeitungen kämpfen um Auflage und größtenteils ums Überleben.
Dass es so etwas bei den RTL ABendnachrichten oder Bild Zeitung nicht geben kann, ist schon klar. Habe mich explizit auf den ÖRR bezogen.
Da sitzen also hauptsächlich CDUler, SPDler & co. und das merkt man auch an der Berichterstattung. Zumal der Beruf des Journalismus von der politischen Einstellung her sowieso schon ein sehr Linker ist.
Das zahlt hier genau auf den Beitrag von clayz ein: die Party des ÖRR finanziert zwar der Steuerzahler, wird aber von den Regierungsparteien maßgeblich beeinflusst - man wäre ja auch doof, wenn man sich dieses mächtige Instrument nicht für die eigenen Zwecke zunutze macht.
Ein relativ neuer Artikel hierzu:
https://www.zeit.de/kultur/2025-02/oeff ... k-einfluss
Eine neue Studie sieht einen übermäßigen Einfluss der Politik auf die Rundfunk- und Verwaltungsräte des Landes. Konkret wurde in der Erhebung der gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Stiftung die Besetzung der Räte betrachtet. Das Ergebnis: Der politische Einfluss in den Gremien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks reiche weit über die gesetzlich vorgeschriebene Präsenz hinaus.
[...]
Wird allerdings auch die Parteizugehörigkeit der Mitglieder betrachtet, ergebe sich ein anderes Bild: "41 Prozent der Rundfunkratsmitglieder der untersuchten zwölf Anstalten lassen sich politischen Parteien zuzuordnen, beim ZDF sind es 60 Prozent." Neben Politikern sitzen Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Gruppen in den Rundfunkräten: aus Gewerkschaften, Kirchen, Sportvereinen oder Wohlfahrtseinrichtungen, teilweise auch von Umweltschutzorganisationen, Künstler- oder LGBTQ-Verbänden.
Ähnlich sieht es der Studie zufolge bei den Verwaltungsräten aus. Nach klassischer Lesart liege der Anteil politischer Vertreter hier bei 15 Prozent; werde die Parteizugehörigkeit mit einbezogen, seien es hingegen 53 Prozent. Auch hier sei das ZDF mit 83 Prozent Spitzenreiter.
In den letzten 15-20 Jahren ist hier einfach einiges ins Rutschen gekommen: SPD/Linke/Grüne sind so links wie eh und je (oder noch mehr), die CDU hat die rechte Seite freigegeben und ist in Richtung Mitte-Links gedriftet. Dazu ist der linksideologische Einfluss auf die 'Zivilgesellschaft' viel stärker geworden. Früher hatte man vor allem Gewerkschaften und Unternehmerverbände, die über Fragen wie Lohn und Steuern stritten, dabei aber identitätspolitisch gar nicht auseinander waren, und dazu vielleicht noch Kirchen, die wertkonservative Positionen einbrachten - heute hingegen hat man einen Haufen von komplett linksideologisch verdrehten Playern. Auf bürgerlich-konservativer Seite hingegen hat kaum eine Entwicklung in diesem Bereich stattgefunden und die parlamentarisch-politische Vertretung von bürgerlich-rechts (AfD) bekämpft man.
Daher ist das System aus der Zeit gefallen. Eine grundsätzliche Unreformierbarkeit würde ich daraus allerdings nicht ableiten. Würde bspw. der Rundfunkrat die demokratischen Verhältnisse im Land abbilden, könnte sich der Kurs mittelfristig wieder normalisieren.